Von Kleinkindern lernen

Wie Medien berichteten, hat am Sonntag ein Kleinkind einen Twitter-Beitrag im Account der US-Atomwaffenbehörde verfasst:

»;l;;gmlxzssaw« – Rätselhafter Code? Verborgene Botschaft? Die Auflösung kam schnell

Bemerkenswert daran ist natürlich nicht, dass man genau erkennt, welche Buchstaben mit der rechten (die bis gml) und welche mit der linken sehr kleinen (das z liegt auf amerikanischen Tastaturen links neben dem x) Hand (der Rest) verfasst wurden.

Bemerkenswert daran finde ich auch nicht, dass der für den Account zuständige Social-Media-Manager es nicht für nötig hielt, während seiner kurzen Abwesenheit (vermutlich musste er aufs Klo) seinen PC zu sperren, auf dem die Twitter-Webseite zum Verfassen eines Tweets gerade geöffnet war.

Denn dass der Mensch der Schwachpunkt jeder IT-Sicherheits-Infrastruktur ist, wissen wir ja schon, nicht wahr? Man muss ja nur “versehentlich” einen präparierten USB-Stick mit der Aufschrift “Pornos” vor einer Firma verlieren, schon erhält man (nach kurzer Wartezeit freilich) bequem Zugriff auf alle Systeme (auf die der glückliche Finder Zugriff hat). Tipp, falls Sie es ausprobieren wollen: Tun Sie wirklich ein paar Pornos auf den Stick, dann schöpft das Opfer nicht so schnell Verdacht.

Bemerkenswert finde ich aber, dass der Tweet zwar nach ein paar Minuten gelöscht wurde – in der Zeit aber, wie man auf dem Bild sieht, fast 5000 mal geliked und halb so oft retweetet wurde. Wohlgemerkt: “Normale” Tweets des gleichen Accounts, meist mit fast sinnlich fotografierten Kampfflugzeigen drauf, bringen es gerade mal auf etwas über 100 Likes und 30 oder 50 Retweets – aber nicht innerhalb weniger Minuten, sondern Tagen.

Das ist ein Symptom, welches auf ein grundlegendes Problem der (a)sozialen Medien hinweist: Quatsch verbreitet sich bisweilen millionenfach schneller und weiter als alles andere. Das ist aber das genaue Gegenteil des Bedarfs: Wichtige (und möglichst akkurate) Informationen sollten sich schneller und besser verbreiten als anderen. Dieses wünschenswerte Verhalten bilden die Mechanismen der sozialen Netzwerke schlicht nicht ab. Deshalb sind sie ein Problem.

tl;dr: Das Beispiel der tausendfach retweeteten IT-Attacke eines Kleinkinds zeigt: Der “soziale” Kaskadier-Mechanismus von Twitter&Co begünstigt die Ausbreitung von Unsinn.

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